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May 27, 2026

Die neue Scaleup-Strategie der Bundesregierung verändert den Markt für Innovationspartner

Die neue Scaleup-Strategie der Bundesregierung verändert den Markt für Innovationspartner

Wenn Innovationsverantwortliche heute über die Suche nach externen Partnern sprechen, spielt die Bundespolitik selten eine Rolle. Verständlich. Politische Signale bleiben in der Regel abstrakt, ihre operative Wirkung erschließt sich oft erst nach Monaten.

Im Jahr 2026 ist die Lage anders. Seit Januar sind mehrere Programme der Bundesregierung in Umsetzung, die direkt verändern, welche Anbieter Unternehmen beim externen Innovationsscouting begegnen. Nicht in zwei Jahren, sondern in den nächsten zwölf Monaten.

Unsere Beobachtung: Die neue Scaleup-Strategie ist kein politisches Versprechen für die Zukunft. Sie verschiebt bereits jetzt die Klasse der Innovationspartner, die für deutsche Corporates realistisch erreichbar sind. Wer eine strukturierte Suche aufgebaut hat, profitiert direkt. Wer noch aufbaut, holt mit Zeitverzug auf.

1) Was sich seit Anfang 2026 konkret verändert hat

Vier Programme greifen aktuell ineinander. Sie wirken zusammen, nicht einzeln, und betreffen unterschiedliche Phasen der Wachstumsfinanzierung.

Deutschlandfonds (gestartet Dezember 2025). Der Bund stellt 30 Mrd Euro öffentliche Mittel und Garantien zur Verfügung, um insgesamt rund 130 Mrd Euro private Investitionen zu mobilisieren. Das Instrument „Scale-up Direct" finanziert über die KfW direkt Co-Investments in wachsende Tech-Unternehmen, bis zu 50 Mio Euro pro Fall, insgesamt 1 Mrd Euro reserviert bis 2030. Quelle: Bundesfinanzministerium und KfW, Dezember 2025.

EIF German Equity (aufgestockt Januar 2026). Das Mandat des Bundeswirtschaftsministeriums beim European Investment Fund wurde um 1,6 Mrd Euro auf 5,8 Mrd Euro Gesamtvolumen ausgeweitet. Schwerpunkte: Deep-Tech, KI, FinTech, Life Sciences und industrielle Produktionstechnologien. Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Januar 2026.

Forschungszulage (erweitert ab 1. Januar 2026). Die Bemessungsgrundlage steigt auf 12 Mio Euro jährlich. Erstmals werden auch Gemeinkosten in Höhe einer 20-Prozent-Pauschale förderfähig. Forschungs- und Entwicklungsleistungen, die im Rahmen von Pilotprojekten erbracht werden, werden damit wirtschaftlich tragfähiger. Quelle: Bescheinigungsstelle Forschungszulage, Investitionssofortprogramm 2025.

Startup- und Scaleup-Strategie der Bundesregierung (in Veröffentlichungsphase). Nach einem Stakeholder-Prozess mit rund 300 Stellungnahmen im Herbst 2025 läuft die Strategie auf die Veröffentlichung 2026 zu. Inhaltliche Schwerpunkte: öffentliche Beschaffung als Hebel für junge Unternehmen, Bürokratieabbau bei Kooperationsverträgen, Erleichterung von Förderprozessen. Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, August 2025.

2) Warum sich damit die Klasse der verfügbaren Partner verändert

Mehr Kapital ist nicht das eigentliche Argument. Entscheidend ist, was sich an der Verfügbarkeit von Scaleups als Pilotpartner verschiebt.

Viele technologisch reife deutsche Scaleups stecken seit Jahren in der Series-B/C-Phase fest. Wenig nationales Wachstumskapital, kurze Runways von oft unter zwölf Monaten, ein Großteil der unternehmerischen Aufmerksamkeit fließt in die nächste US-Finanzierungsrunde statt in deutsche Pilotkunden. Die Folge in der Praxis: Anbieter mit ausgereifter Technologie, deren Vertrieb auf den US-Markt ausgerichtet ist, lassen sich nur schwer als Pilotpartner für deutsche Corporates gewinnen.

Wenn zusätzliches nationales Kapital in dieser Phase ankommt, verschiebt sich diese Logik. Längere Runways im DACH-Raum bedeuten mehr Bandbreite für deutsche Pilot-Kunden, höhere Bereitschaft, sich auf Konzern-Beschaffungsprozesse einzulassen, und eine schärfere Ausrichtung auf den heimischen Markt. In der Konsequenz wächst die Klasse der Anbieter, die gleichzeitig technologisch validiert und realistisch als Pilotpartner verfügbar sind.

3) Was das für die Suche nach Innovationspartnern operativ bedeutet

Für Unternehmen, die externe Innovationsprojekte strukturiert betreiben, hat diese Verschiebung drei konkrete Implikationen.

Mehr Optionen beim Scouting. Die Zahl umsetzungsreifer Anbieter steigt. Damit wachsen auch die Anforderungen an die eigene Auswahl. Wer nicht klar weiß, was Erfolg im Proof of Concept (PoC) bedeutet, wird in der Selektion schwammig.

Höherer Wettbewerb um die besten Partner. Wenn die Klasse der Scaleups wächst, werden auch andere Corporates aktiver. Frühe Strukturierung verschafft Vorlauf bei der Pilotanbahnung.

Stärkerer Druck auf interne Anschlussfähigkeit. Externe Innovation ist nur so gut wie das Operating-Model im Unternehmen, das den Übergang vom Pilot in den Rollout trägt. Wo das fehlt, bleiben Piloten Sonderprojekte ohne Folgewirkung.

Wir führen den Venture Client Inkubator gerade in der dritten Runde durch. Bei den Corporates aus der ersten Runde 2022 sehen wir heute mehr Pilot-Erfahrung und in mehreren Fällen ein Operating-Model, das den Übergang in den Regelbetrieb trägt. Sie können den steigenden Kapitalzufluss direkt nutzen. Wer den Aufbau jetzt erst startet, gewinnt die Lernkurve dazu, mit einem Zeitverzug von zwölf bis achtzehn Monaten.

Wie kommt Ihr Unternehmen in die Umsetzung?

Was bedeuten die neuen Programme der Bundesregierung konkret für Ihre Innovationsstrategie 2026/27? 15 Minuten reichen für eine erste strukturierte Einordnung.

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Justin Gemeri
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