31. März 2023
Vom Entwurf in einer Berliner Bar zur globalen Bühne: Was wirkungsorientierte Innovation erfolgreich macht
ekipa Redaktion
Vom Entwurf in einer Berliner Bar zur globalen Bühne: Was wirkungsorientierte Innovation erfolgreich macht
Am Anfang steht oft eine kurze, klare Idee, die den Ausgangspunkt für etwas Größeres bildet. So begann auch die Geschichte des Berliner Startups Clurb. Im Juni 2017 formulierte das Team seine Gründungsidee in einer Kreuzberger Kneipe in einem einzigen Satz: „Wir entwickeln etwas Einfaches und Bezahlbares, das Städte mit minimaler externer Unterstützung nutzen können.“

Von der Kreuzberger Kneipe in die Welt
Aus dem damaligen Gründerteam ist inzwischen ein mittelständisches Unternehmen geworden – mit Standorten in Berlin, Buenos Aires und São Paulo sowie Projekterfahrung in zahlreichen weiteren Ländern. Mit ihrem Produkt „ACCTION – Disaster Risk Management Made Simple“ setzen sie genau das um, was sie mit ihrer ursprünglichen Idee erreichen wollten: eine Welt, in der jede Stadt und jede Gemeinschaft – unabhängig von ihren Ressourcen – Zugang zu geeigneten Werkzeugen hat, um zentrale Risiken und Herausforderungen zu bewältigen.

Die Entwicklung von Clurb zeigt, wie aus einer klar formulierten Ausgangsidee ein international tätiges Unternehmen entstehen kann, das strukturelle Probleme adressiert und Wirkung in unterschiedlichen Regionen der Welt erzielt.
Wenn es um Innovation und Nachhaltigkeit in Städten und Gemeinden geht, bietet das Sustainable Development Goal 11 ein wirkungsvolles Handlungsfeld: Städte und Siedlungen sollen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestaltet werden. Für Clurb ist es genau der richtige Moment, ACCTION als Werkzeug in den Mittelpunkt zu stellen – eine Lösung, die Kommunen dabei unterstützt, dieses Ziel zu erreichen, ohne einzelne Akteure auszuschließen.
ACCTION stellt ein digitales 360°-Paket für den Umgang mit Krisen und Katastrophen dar. Die Plattform ermöglicht es Städten und Gemeinden, sich gemeinsam auf Risiken vorzubereiten, im Ernstfall koordiniert zu reagieren und die Wiederherstellung strukturiert zu organisieren. Auf diese Weise entsteht ein Ansatz, der komplexe Prozesse reduziert und gleichzeitig sicherstellt, dass auch ressourcenschwächere Kommunen Zugang zu relevanten Funktionen erhalten.
INNOVATE2030-SDG11 als Bühne und Forum für Innovation
Für Clurb war es ein konsequenter Schritt, am INNOVATE2030-SDG11 Innovationsprogramm von ekipa teilzunehmen. Dort konnten sie ihre Vision sowie ihr nutzerfreundliches und wirkungsorientiertes Tool vorstellen. Das Programm bot einen geeigneten Rahmen, um die Lösung weiterzuentwickeln, zu erproben und sichtbarer zu machen. Ebenso wertvoll waren die Zusammenarbeit im passenden Umfeld und der Austausch mit Menschen, die ähnliche Ziele verfolgen und an nachhaltigen Veränderungen arbeiten.
Mariano Rossi, CFO & Co-Founder, fasst diesen Mehrwert so zusammen: „Für mich war von Beginn an klar, dass die Challenge für uns eine Plattform bietet, um uns mit gleichgesinnten Menschen auszutauschen, die an derselben Mission arbeiten, globalen Impact voranzubringen. Das hat uns nicht nur zusätzliche Energie gegeben, sondern auch mehr Zuversicht, dass sich in naher Zukunft vieles positiv verändern kann.“

Synergien mit Hochschulen, Institutionen und internationalen Partnern
Clurb hat mittlerweile an zahlreichen internationalen Wettbewerben und Programmen teilgenommen. Kooperationen mit Institutionen, Universitäten und Städten weltweit gehören ebenso zu ihrem Tätigkeitsfeld wie Auszeichnungen und Beiträge oder Erwähnungen in Fachmedien. Eine besonders enge Verbindung besteht jedoch zum INNOVATE2030 Innovationsprogramm. Für das Team war es eine Gelegenheit, den eigenen technischen Fokus zu erweitern und den Austausch mit Expert:innen aus unterschiedlichen Disziplinen zu suchen.
Evandro Holz, CEO & Co-Founder von Clurb, beschreibt es so: „Für uns war es eine hervorragende Möglichkeit, aus unserer technischen Blase herauszutreten und uns mit Fachleuten aus verschiedensten Bereichen auszutauschen.“ Und weiter: „Am Ende war es weniger ein Wettbewerb, sondern vielmehr eine Chance, Synergien mit großartigen Menschen zu entdecken, die an denselben Zielen arbeiten wie wir.“

Das INNOVATE2030 Innovationsprogramm verknüpft Hochschulen, Startups, Wissenschaft und Unternehmen, um gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen anzustoßen und langfristig zu einer nachhaltigen Zukunft beizutragen. Finanzielle Förderungen, Kooperationen, gemeinsame Publikationen sowie Programme mit Unternehmen und politischen Akteuren bilden dabei einen Rahmen, der Karrieren unterstützt und die Entwicklung neuer Lösungen oder künftiger Gründungen erleichtert.
INNOVATE2030-SDG11 wurde gemeinsam vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und dessen Innovationslabor #digilab initiiert – in Zusammenarbeit mit der Make-IT Alliance.
Unterstützt wurde das Programm von folgenden Organisationen und Unternehmen: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Europäische Kommission, UN Climate Change, Atos, Bosch Innovation Consulting, OECD, UNCTAD, SAP, Telekom TechBoost, Microsoft, IHS Institute for Housing and Urban Development Studies, Leaders for Climate Action, UN-Habitat.
Die Rolle von Hochschulen im Gesamtbild Open Innovation Prozesse
Hochschulen gelten seit jeher als zentrale Orte für Wissen und Innovation. Ihre Rolle im Kontext offener Innovationsprozesse ist dabei nicht nur etabliert, sondern zugleich dynamisch und von strategischer Bedeutung. Als Zentren für Kreativität und Forschung sind Hochschulen nicht nur Teil von Innovationsprozessen – häufig treiben sie diese aktiv voran, indem sie tragfähige Partnerschaften mit der Wirtschaft aufbauen. Dieser Beitrag zeigt, wie akademische Einrichtungen durch Kooperationen einen relevanten Beitrag zu technologischer und wirtschaftlicher Weiterentwicklung leisten.
1. Alternative Energielösungen vorantreiben: Stanford University und Technologieunternehmen
Ein markantes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Industrie ist die Partnerschaft der Stanford University mit führenden Technologieunternehmen zur Entwicklung von Photovoltaiktechnologien. Wie Chinta & Culpan (2014) darlegen, erweitert diese Kooperation nicht nur die Möglichkeiten im Bereich erneuerbarer Energien. Sie zeigt zugleich, wie sich akademische Forschung in marktfähige Produkte überführen lässt – und damit einen messbaren Beitrag zu nachhaltigen Energieinnovationen leistet.
2. Fortschritte in der Arzneimittelentwicklung: Kooperationen der University of Cambridge mit der Pharmaindustrie
Wie de las Heras-Rosas & Herrera (2021) zeigen, hat die University of Cambridge durch gemeinsame F&E-Initiativen einen deutlichen Einfluss auf die pharmazeutische Industrie ausgeübt. In Partnerschaften mit großen Pharmaunternehmen trägt die Universität dazu bei, den Prozess der Wirkstoffentdeckung effizienter zu gestalten. Die Verbindung von akademischer Forschung mit industriellen Ressourcen beschleunigt nicht nur Entwicklungszyklen, sondern steigert zugleich die Qualität pharmazeutischer Innovationen.
3. Technologische Fortschritte ermöglichen: Industriekooperationen des MIT Media Lab
Das Media Lab des Massachusetts Institute of Technology gilt – wie Juca-Aulestia et al. (2020) beschreiben – als ein zentraler Akteur offener Innovationsprozesse. Durch die Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Intel und Google entstanden dort wegweisende Technologien, etwa im Bereich Wearable Computing oder interaktiver Benutzeroberflächen. Diese Beispiele verdeutlichen, wie die Verbindung von akademischer Neugier und industrieller Expertise technologische Entwicklungen maßgeblich beschleunigen kann.
4. Gemeinsame Entwicklungen in der Automatisierungstechnik: Ludwig-Maximilians-Universität München und Siemens AG
Becker & Eube (2018) beschreiben ein gemeinsames F&E-Zentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Siemens AG, das sich auf Automatisierungstechnologien spezialisiert. Diese Kooperation zeigt exemplarisch, wie Hochschulen ihre wissenschaftlichen Kompetenzen in industrielle Anwendungen überführen können. Das Ergebnis sind Innovationen, die nicht nur einzelne Produkte verbessern, sondern ganze Branchen nachhaltig beeinflussen.
5. Unternehmerische Forschung fördern: Innovationsprogramme der University of Edinburgh
Unternehmerisches Denken innerhalb von Hochschulen ist entscheidend, um die Lücke zwischen Forschung und Markt zu schließen. Alexander, Miller & Fielding (2015) zeigen, wie die University of Edinburgh mit Programmen wie Edinburgh Innovations ihre Wissenschaftler:innen dabei unterstützt, Forschungsergebnisse zu kommerzialisieren. Diese Initiativen stärken eine Kultur des unternehmerischen Handelns und tragen dazu bei, innovationsorientierte Forschung zielgerichtet in marktfähige Anwendungen zu überführen.
Fazit
Die Beteiligung von Hochschulen an offenen Innovationsprozessen ist von zentraler Bedeutung. Sie tragen nicht nur maßgeblich zur Wissensökonomie bei, sondern spielen auch eine entscheidende Rolle bei der Überführung neuer Technologien in Anwendung und Markt. Durch kontinuierliche Kooperationen mit Unternehmen stellen Hochschulen sicher, dass Forschungsergebnisse Wirkung entfalten – und damit technologischen Fortschritt und wirtschaftliche Entwicklung gleichermaßen unterstützen.
Wenn Sie das Potenzial offener Innovationen in der Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Unternehmen erschließen möchten, finden Sie unter ekipa.de einen Überblick über unsere Projekte und Fallstudien. Unser Netzwerk von mehr als 160 Hochschulen weltweit arbeitet an Lösungen, die technologische und wirtschaftliche Entwicklungen nachhaltig prägen.
Entdecken Sie, welche Möglichkeiten gemeinsame Innovationsprozesse eröffnen – und wie Sie diese nutzen können, um komplexe Fragestellungen gezielt anzugehen und Fortschritt voranzubringen.
Literaturverzeichnis
- Chinta, R., & Culpan, R. (2014). The Role of Open Innovation in Business-University R&D Collaborations.
- de las Heras-Rosas, C., & Herrera, J. (2021). Research Trends in Open Innovation and the Role of the University. Journal of Open Innovation: Technology, Market, and Complexity.
- Juca-Aulestia, M., Labanda-Jaramillo, M., Guamán-Quinche, J., Coronel-Romero, E., Chamba-Eras, L., & Jácome-Galarza, L.-R. (2020). Open Innovation at University: A Systematic Literature Review.
- Becker, B., & Eube, C. (2018). Open innovation concept: integrating universities and business in the digital age. Journal of Open Innovation: Technology, Market, and Complexity.
- Alexander, A., Miller, K., & Fielding, S. (2015). OPEN FOR BUSINESS: UNIVERSITIES, ENTREPRENEURIAL ACADEMICS AND OPEN INNOVATION. International Journal of Innovation Management.


